Da ich hier zukünftig ein bisschen was über die Fotografie loswerden will, möchte ich erstmal sicherstellen, dass ihr auch über die Basics Bescheid wisst. Mir ist ohnehin aufgefallen, dass oftmals ohne einen Gedanken zu verschwenden fotografiert wird - einfach wild drauflos. Das Resultat ist meistens eine volle Speicherkarte, auf der zumindest die Hälfte der Bilder völlig unkenntlich sind: Verschwommen, verwackelt, komplett weiß (überbelichtet) oder schwarz (unterbelichtet). Wenn ihr so etwas in Zukunft vermeiden wollt, dann lest diesen und die nächsten Beiträge gern weiter.
Beim Fotografieren wird Licht, dass von einer Quelle ausgeht, am zu fotografierenden Objekt reflektiert wird und durch das Objektiv an der Kamera fällt aufgefangen. Hierbei soll es zunächst einmal egal sein, ob es sich um analoge Kameras handelt, die einen beschichteten Film beinhalten, oder um digitale Kameras, die einen Lichtsensor verwenden. In beiden Fällen wird das Licht “aufgezeichnet”.
Dabei spielen drei Dinge eine entscheidende Rolle: die Belichtungszeit, die Blende und der ISO-Wert. Als Modell zum besseren Verständnis soll hier einmal das Würzen mit Chili-Sauce herhalten, an dem drei Dinge variiert werden können: die Zeit, in der Sauce über das Essen getropft wird, der Durchmesser des Ausgusses und die Schärfe der Sauce.
Um ein optimal belichtetes Foto - d.h. nicht zu hell oder zu dunkel - zu erhalten, muss genau die richtige Menge Licht in die Kamera gelangen. Anders ausgedrückt: um die optimale Schärfe der Mahlzeit zu erreichen, benötigt man die richtige Menge Chili-Sauce. Bei vorgegebener Flasche tropft man entsprechend lange die Sauce in das Essen. Alternativ kann man eine Flasche mit größerer Öffnung verwenden und muss nun nicht mehr so lang warten, bis die richtige Menge auf dem Teller schwimmt. Genauso funktioniert das auch bei der Kamera: Bei gegebener Blende benötigt man die richtige Belichtungszeit. Oder man vergrößert die Blende und kann die Zeit verkürzen. Vergrößert man dagegen die Blende (bzw. die Flaschenöffnung) ohne die Zeit zu verändern, gibt es entweder überbelichtete Bilder oder brennende Münder.
Viele von euch werden jetzt bestimmt sagen: “Was interessiert mich das alles? Meine Kamera steht auf Automatik und macht das wunderbar alles allein.” Nun, das kann gut möglich sein. Um die späteren Beiträge jedoch zu verstehen und um einiges mehr aus euren Bildern herauszuholen, solltet ihr mit den grundlegenden Dingen vertraut sein. Also weiter im Stoff…
Wir haben nun also hoffentlich den Zusammenhang zwischen Belichtungszeit und Blende verstanden - Blende auf, Zeit runter und umgekehrt. Dies gilt aber selbstverständlich nur bei konstantem Umgebungslicht. Wird es dunkler, muss man mit Sicherheit die Blende öffnen, ohne die Zeit zu verkürzen. Oder die Zeit verlängern, ohne die Blende zu schließen. Auch dies lässt sich wieder mit dem Scharfmacher verdeutlichen. Besitzt das Essen bereits eine gewisse Grundschärfe, braucht es weniger Chili-Sauce. Man kann also die Tropfzeit verkürzen, ohne die Flaschenöffnung zu vergrößern. Ist die Mahlzeit dagegen besonders fad (also wenig Grundschärfe bzw. wenig vorhandenes Licht in der Fotografie), bedarf es mehr Chili - länger Tropfen bei gleicher Flaschenöffnung.
Nun gibt es aber auch noch den oben erwähnten ISO-Wert bzw. die Saucen-Schärfe. Nimmt man eine doppelt so scharfe Sauce, braucht man nur halb so lang zu tropfen, um die gleiche Schärfe im Essen zu erreichen. Klar, oder? Ebenso auch bei der Kamera: Ist der ISO-Wert (auch -Empfindlichkeit genannt) doppelt so hoch, muss die Belichtungszeit nur halb so lang sein. Oder nach obigem Gestz die Blende nur halb so groß bei gleicher Belichtungszeit. Demnach entspricht der ISO-Wert der Empfindlichkeit, mit der die Kamera auf einfallendes Licht reagiert. Ist sie doppelt so hoch, braucht es nur halb so viel Licht - und umgekehrt.
Für die Mathematiker unter euch kann man das am einfachsten in eine kleine Formel packen:
Zeit · Blendenöffnung · ISO-Wert = konstant (bei gleicher Objektbeleuchtung)
Wird also einer dieser drei Werte halbiert, muss ein anderer verdoppelt werden, damit das gleiche Ergebnis herauskommt.
Ich gebe zu, das klingt für den Anfang alles Recht kompliziert und evtl. auch verwirrend - wozu drei einstellbare Parameter, wenn immer wieder das gleiche herauskommt? Dazu später mehr, für heute soll es bis hierhin erstmal reichen. Demnächst wird es wieder praktischer, diese Theorie war aber notwendig zum Verständnis der Praxis.
War diese Erklärung verständlich? Was kann ich noch verbessern, was ist gut so? Ich möchte euch herzlichst um Kommentare und Rückmeldungen bitten. Nur so kann ich die Qualität der Beiträge verbessern.
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