Gedankenquirl
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19.10.2008

Der Crop-Faktor

… oder wie wichtig ist die SensorgrĂ¶ĂŸe von digitalen Kameras?

FrĂŒher, zu analogen Zeiten, wurde ein Standard gesetzt, das Kleinbildformat. Es ist 36×24mm groß und entsprach im Prinzip der GrĂ¶ĂŸe des einlegten Films. SpĂ€ter setzte sich zusĂ€tzlich das kleinere APS-C-Format durch. Es ist 23.7×15.6mm groß, jede Seite also etwa um den Faktor 1.5 kĂŒrzer. In der heutigen digitalen Welt gibt es unzĂ€hlige weitere Formate. So sind die Sensoren von Kompaktkameras und Mobiltelefonen wesentlich kleiner, 4.5×3.4mm, um ein Beispiel zu nennen. ZusĂ€tzlich gibt es noch grĂ¶ĂŸere Formate, die jedoch in diesem Rahmen nicht interessieren sollen, da die entsprechenden Kameras ohnehin “unbezahlbar” sind.

Was passiert nun, wenn der Sensor (oder der Film) kleiner wird? Lasst mich dies mit Hilfe dieses Bildes aus unserer schönen Landeshauptstadt erklĂ€ren. Angenommen, wir bleiben an der gleichen Stelle stehen und verwenden das gleiche Objektiv, reduzieren also lediglich die SensorgrĂ¶ĂŸe, dann wird das Bild ausgehend vom Kleinbildformat beschnitten. So weit, dass man bei einer Kompaktkamera hier nur noch den Kopf Martin Luthers auf dem Bild sehen wĂŒrde. Es darf aber nicht davon ausgegangen werden, dass das Bild dann kleiner wird. Es wird lediglich der Ausschnitt reduziert. Ob nun digital oder entwickelt auf AbzĂŒgen - die volle SensorgrĂ¶ĂŸe wird ja jedes mal in der gleichen Foto-GrĂ¶ĂŸe abgebildet. Man kann sagen, das aufgenommene Bild wird immer in die selbe letztendliche GrĂ¶ĂŸe skaliert.

Wenn man nun aber vom gleichen Standpunkt aus fotografiert weniger auf das Bild bekommt bzw. Bilddetails grĂ¶ĂŸer abgebildet werden, dann kommt das einer BrennweitenverlĂ€ngerung gleich. Sprich, es wird in das Bild hineingezoomt, die Brennweite wird grĂ¶ĂŸer. Und zwar genau um den Crop-Faktor, der wegen diesem Effekt auch scheinbarer BrennweitenverlĂ€ngerungsfaktor heißt.

Bei Kompaktkameras spielt diese VerlĂ€ngerung nur eine untergeordnete Rolle, weil deren Optiken darauf angepasst sind. So sind z.B. 6mm Brennweite keine Seltenheit. Mit einem Crop-Faktor von 5 bis 7 landet man wieder bei den eher ĂŒblichen Brennweiten von 30 bis 42mm. Anders bei Spiegelreflex-Kameras. Deren Linsen sind hauptsĂ€chlich fĂŒr das Kleinbildformat gebaut. Typische Brennweiten liegen hier bei 17 bis 300mm, wĂŒrde ich mal grob sagen. Besitzt man nun eine der am hĂ€ufigsten verbreiteten Crop-Kameras mit Faktoren von 1.5 (Nikon), 1.6 (Canon) oder 2 (Olympus), so holt man aus dem ĂŒblichen 300mm-Objektiv plötzlich 450mm bis 600mm. Das sind dann schon sehr extreme Brennweiten, die ohne weiteres fĂŒr beispielsweise Tierfotografie brauchbar sind. Allerdings kann man nun nicht so allgemein sagen, dass ein möglichst hoher Crop-Faktor gut sei. Dieser Effekt verlĂ€ngert nĂ€mlich nicht nur die Zoom-FĂ€higkeit, sondern schrĂ€nkt auch den Weitwinkel ein. Schaut man sich das untere Ende mit 17mm an, was ein ordentlicher Weitwinkel ist, so Ă€ndert sich diese Brennweite plötzlich auf 25mm bis 34mm. Dies ist zwar immer noch Weitwinkel, aber der Sichtbereich ist schon deutlich eingeschrĂ€nkter.

Neben der effektiven Brennweite Ă€ndert sich aber auch die SchĂ€rfentiefe. Zuletzt habe ich schon erklĂ€rt, dass diese mit der Blende gesteuert werden kann. Daneben gibt es aber auch noch eine ganze Reihe weiterer Einflussfaktoren, wie z.B. Entfernung zum Motiv und eben Brennweite und SensorgrĂ¶ĂŸe. So nimmt die SchĂ€rfentiefe ab, wenn man einen kleineren Sensor besitzt, die Brennweite und den Standort aber beibehĂ€lt. Das heißt, dass Objekte vor und hinter dem Fokuspunkt unschĂ€rfer werden. In der Regel ist dies aber nicht praktikabel, da sich ja dann auch der Bildausschnitt verĂ€ndert, wie oben gelernt. Will ich das gleiche Bild mit unterschiedlichen SensorgrĂ¶ĂŸen machen, muss ich entweder meinen Standort Ă€ndern (nĂ€her ran, weiter weg) oder die Brennweite umstellen. Kompensiert man also diesen Einfluss der SensorgrĂ¶ĂŸe auf den Bildausschnitt, dann nimmt bei kleinerem Sensor auf einmal die SchĂ€rfentiefe zu. Das bedeutet also, dass beispielsweise Kompaktkameras kaum ein sog. Freistellen von Objekten erlauben, bei dem der Fokuspunkt scharf abgelichtet wird, der Hintergrund jedoch in UnschĂ€rfe verschwimmt. Man kann sagen, je kleiner der Sensor, desto mehr SchĂ€rfentiefe ist möglich.

Wieso erzĂ€hle ich dies eigentlich alles? Nun, zunĂ€chst einmal bin ich der Meinung, dass man ein wenig den technischen Hintergrund verstehen sollte, um wirklich gute Bilder machen zu können. Oder zumindest, um sich selbst den ein oder anderen Effekt erklĂ€ren zu können. Weiterhin gibt es aber noch etwas zu beachten: Durch die scheinbare VerlĂ€ngerung der Brennweite muss auch die Faustformel fĂŒr die maximale Belichtungszeit aus dem letzten Beitrag angepasst werden. Ich hatte geschrieben, dass man immer maximal den Kehrwert der Brennweite belichten sollte, um wirklich scharfe Bilder zu erhalten, um also ein Verwackeln auszuschließen. Also dass man bei 50mm maximal 1/50s belichtet. VerlĂ€ngert sich nun die Brennweite effektiv, wird also mit Crop-Faktor 1.5 beispielsweise die scheinbare Brennweite 75mm, so sollte man auch nur 1/75s belichten. Trotz dass am Objektiv 50mm eingestellt sind. Daran sollte man einfach denken, wenn man keine Kleinbildkamera (meist Vollformat-Kamera genannt) verwendet. Diese Faustformel existiert aber im Übrigen schon sehr lange und wurde ursprĂŒnglich fĂŒr 10×15-AbzĂŒge aufgestellt. Bei digitalen Fotos gilt sie nach wie vor. Allerdings hat man nun die Möglichkeit, bis auf Pixelebene in die Fotos hineinzuzoomen. Wenn man auch in voller Auflösung noch absolute SchĂ€rfe benötigt, dann sollte die Belichtungszeit dieser Richtlinie mindestens halbiert werden, statt 1/75s nimmt man lieber 1/250s, um auf der sicheren Seite zu sein.

Wen dieses Thema weiter interessiert und gern noch tiefer in diese Thematik einsteigen will, der sollte sich einmal die Seiten auf http://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=21047 durchlesen. Da gibt es sĂ€mtliche physikalische HintergrĂŒnde. FĂŒr den Einsteiger sollte diese Zusammenfassung aber genĂŒgen, um die meisten Dinge verstehen zu können.

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