Gedankenquirl
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15.10.2008

Sound und Ubuntu

Bisher lief Ubuntu einige Zeit auf meinem Laptop. Das bisschen Ton, was ich diesem entlocken konnte, wurde durch die on-board Stereo-Soundkarte bereitgestellt. Ansteuerung ohne Probleme. Als ich wieder daheim ankam und meinen Desktop-Rechner zum ersten Mal seit einem Jahr anwarf, ging diesbezĂŒglich erstmal gar nichts. Da ich auch im Netz wenig Infos finden konnte, gibt es hier eine kurze Anleitung, wie ich vorgegangen bin, auch zu Hause in den vollen Musik-Genuss zu kommen.

ZunĂ€chst einmal meine Konfiguration: Ich habe ein Mainboard mit on-board Stereo-Soundkarte, die aber im Bios deaktiviert ist. ZusĂ€tzlich lĂ€uft eine PCI-Soundkarte “Creative Labs Audigy 4″, die 5.1-Sound bereitstellen soll. Viele der folgenden Schritte lassen sich jedoch auch mit anderer Hardware nachvollziehen.

Die Situation ist, wie bereits geschrieben, dass kein Ton durch die Audigy bereitgestellt wird. Nach einigem RĂ€tseln fiel mir jedoch auf, dass ich ein Signal aus der Stereo-Karte bekomme. Und das, obwohl sie im Bios deaktiviert ist. Seltsam, nicht? Das scheint Ubuntu nicht zu interessieren. Nach kurzem Fluchen ging es an die Fehlersuche.

Als erstes sollte man schauen, ob die PCI-Karte ĂŒberhaupt erkannt wird. Dies geschieht mit dem Konsolen-Befehl “lspci“. Also Konsole auf, getippt und geschaut. Bir mir wird dann unter anderem folgende Zeile ausgespuckt:

00:0b.0 Multimedia audio controller: Creative Labs SB0400 Audigy2 Value

Es wird also zumindest erkannt, dass eine zusĂ€tzliche Karte eingebaut ist. Seltsam nur, dass sie “Audigy 2″ statt “Audigy 4″ heißt. Wie sich aber mit Googles Hilfe feststellen lĂ€sst, werden beide Karten auf gleiche Art und Weise angesteuert, deswegen wird das hier nicht richtig erkannt. Ok, weiter im Kontext…

Als nĂ€chstes wechselt man in den LautstĂ€rkeregler und schaut, ob die Karte auch nicht gemutet ist. Am einfachsten öffnet man diesen durch System -> Einstellungen -> LautstĂ€rkeregler. Hier muss man zunĂ€chst unter Datei -> GerĂ€t wechseln die richtige Soundkarte wĂ€hlen. Wurde eure Karte vorher von lspci angezeigt, sollte sie auch hier verfĂŒgbar sein. Danach kann man mit Bearbeiten -> Einstellungen die anzuzeigenden KanĂ€le auswĂ€hlen. Wichtig hierbei sind folgende, bei anderen Karten sollten sie Ă€hnlich benannt sein:

  • Front (vordere Lautsprecher)
  • Surround (hintere Lautsprecher)
  • Center (mittlerer vorderer Lautsprecher)
  • LFE (Subwoofer)
  • Audigy Analog/Digital Output Jack (Umschalter zwischen analogen und digitalen AusgĂ€ngen)
  • IEC958 Optical Raw (Umschalter auf optische AusgĂ€nge)

Die ersten vier KanÀle sollten auf 100% gestellt werden, Anpassungen der LautstÀrken aufgrund von Raumverteilungen der Lautsprecher können spÀter noch vorgenommen werden. Die beiden Umschalter befinden sich im Tab Schalter. Dabei muss Audigy Analog/Digital Output Jack aktiviert sein, IEC958 Optical Raw sollte deaktiviert bleiben. Nur dann wird das Signal an die analogen AusgÀnge der Karte weitergeleitet.

Mit einem Rechtsklick auf das Lautsprechersymbol in der Taskleiste, kann unter Einstellungen noch festgelegt werden, welche Spur standardmĂ€ĂŸig verstellt werden soll.

Der nĂ€chste Schritt besteht darin, dem System mitzuteilen, welche Spuren bzw. welcher Mixer fĂŒr verschiedene Aufgaben standardmĂ€ĂŸig zu verwenden ist. Machbar ist dies unter System -> Einstellungen -> Audio und unter System -> Einstellungen -> Multimedia-System. Dort gibt es Test-Funktionen, so dass man am Einfachsten alle Spuren durchprobieren kann. Ich war in den meisten FĂ€llen mit “ADC Capture/Standard PCM Playback” erfolgreich.

Als nun immer noch kein einziger Ton meiner tollen Soundkarte zu entlocken war, war ich nahe daran, aufzugeben. Bis ich irgendwann ĂŒber den Konsolen-Befehl “asoundconf” stolperte. Im Terminal eingegeben bekomme ich folgende Meldung:

mathias@mathias-desktop:~$ asoundconf
Usage:
asoundconf is-active
asoundconf get|delete PARAMETER
asoundconf set PARAMETER VALUE
asoundconf list

Convenience macro functions:
asoundconf set-default-card PARAMETER
asoundconf reset-default-card
asoundconf set-pulseaudio
asoundconf unset-pulseaudio

Eigentlich ist das schon alles, was wir brauchen. “asoundconf list” liefert wieder einmal eine Liste der verfĂŒgbaren GerĂ€te. Der wichtige Parameter ist aber “set-default-card“. Ganz klar, Ubuntu muss erstmal wissen, welche Karte eigentlich bevorzugt behandelt werden soll. Bei mir ist das also beispielsweise:

asoundconf set-default-card Audigy2

Enter drĂŒcken, beliebigen Player öffnen und siehe da - mein 5.1-System dröhnt in voller Gewaltigkeit. Unglaublich, es geht also doch.

Gut, jetzt kommen gleich wieder die Kritiker und sagen: “Mit Windows ist das alles viel einfacher, das hĂ€lt sich an die Bios-Einstellungen.” Aber Moooment… Ich gebe zu, bis man es erstmal zum Laufen gebracht hat, ist es etwas frickelig. Aber jetzt bietet sich mir ein erheblicher Vorteil. Ich habe zwei Soundkarten mit zwei AusgĂ€ngen parallel laufen. An der Audigy hĂ€ngt meine 5.1-Anlage fĂŒr vollen Ton-Spaß. Wenn ich aber nun mal leise machen muss, bieten sich ja Kopfhörer an. Bisher musste ich immer hinter den PC kriechen, die Anlage rausziehen und stattdessen den Kopfhörer einstecken. Nun kann ich stattdessen einfach den Kopfhörer an der on-board-Karte gesteckt lassen. Will ich auf Schleichfahrt wechseln, schalte ich die Default-Karte mit asoundconf um - die Anlage gibt keinen Muks mehr von sich und die Kopfhörer ĂŒbernehmen.

Wem dies trotzdem noch zu umstĂ€ndlich ist, der installiere sich das Paket “asoundconf-gtk” aus den universe-Quellen. Es legt einen Eintrag System -> Einstellungen -> Default Sound Card an. Dieser öffnet ein kleines Fenster zum AuswĂ€hlen der Stardard-Karte. Einfacher geht’s nicht…

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