Wie wir aus den zurĂŒckliegenden BeitrĂ€gen wissen, sollte die Belichtungszeit mit Bedacht gewĂ€hlt werden. Je nach gewĂŒnschtem Effekt (Bewegungen einfrieren oder durch UnschĂ€rfe hervorheben) und Umgebungslicht ist man mehr oder weniger frei in seiner Entscheidung. Dabei sind wir auch auf die Faustformel
max. Belichtungszeit = 1 / ( Brennweite * Crop-Faktor )
gekommen.
Was aber nun, wenn man nicht genĂŒgend Licht zur VerfĂŒgung hat, um diese Regel noch einhalten zu können? Der erste Gedanke sollte in Richtung Blende und ISO-Einstellung gehen. Ist die Blende bereits geöffnet (kleine Blenzahl öffnet die Blende und lĂ€sst mehr Licht in die Kamera)? Ist die ISO-Empfindlichkeit bereits erhöht (Rauschen nimmt zu, aber benötigte Lichtmenge nimmt ab)? Beide Einstellungen ermöglichen ein Verringern der Belichtungszeit.
Ist man bereits an den Limits von Blende und ISO und kann daher die Belichtungszeit nicht weiter reduzieren, oder will man bewusst lĂ€nger belichten (z.B. um Wasser weich und flieĂend zu machen), dann helfen ein paar Tricks, mit denen auch bei lĂ€ngerer Belichtung die Fotos knackig scharf werden. Diese unterteilen sich prinzipiell in solche, die sĂ€mtliche UnschĂ€rfen vermeiden und die, die nur das eigene Verwackeln reduzieren, eine Objektbewegung jedoch nicht beeinflussen.
Hilft nur gegen verzittern
Der Klassiker: Das Stativ
Eigentlich fĂŒr jeden Fotografen unabdingbar ist das Stativ. Es ermöglicht ein Fixieren der Kamera in vielen verschiedenen Positionen. Wo immer man die Kamera gern haben will, einfach das Stativ richtig eingestellt und los geht’s. Durch die starre Befestigung der Kamera gibt es keine Verwackelungen, die durch Zittern der HĂ€nde hervorgerufen werden.
Die Behelfsmethode
Hat man kein Stativ zur Hand, kann man auch andere starre Objekte dafĂŒr “missbrauchen”. Die Kamera auf einer Mauer, Zaun, Baumstamm, Bierglas usw. ist ebenfalls verwacklungsfrei platziert. Das Problem dabei: Nur Ă€uĂerst selten gibt es gerade da ein starres Objekt, wo man die Kamera gern platzieren wĂŒrde. Meist muss man Kompromisse in der Perspektive eingehen. AuĂerdem wird bei stĂ€ndiger Anwendung dieser Methode das KameragehĂ€use bald von Kratzern ĂŒbersĂ€ht sein. Ich muss aber sagen, dass mir tolle Bilder wichtiger sind als eine neuwertige Kamera. Sonst kann man sie ja gleich zu Hause im Regal lassen. Sie ist nun mal ein Werkzeug; nicht mehr, und nicht weniger.
Einen weiteren Nachteil der Auflegen-Methode möchte ich auch noch nennen: Verwendet man einen starken Weitwinkel, bekommt man oftmals die Auflage selbst mit auf’s Bild. Dies sollte aber bei modernen Bildbearbeitungs-Möglichkeiten nicht weiter stören.
Gibt es wieder mal keine geeignete AuflageflĂ€che in der NĂ€he, hilft noch ein weiterer Trick. Man drĂŒckt die Kamera mit einer Seite an ein starres Objekt. Lichtmasten, HĂ€user, Bushaltestellen, BĂ€ume usw. eignen sich besonders gut dafĂŒr. Somit hĂ€lt man zwar die Kamera immer noch in der Hand, kann sie aber gut fixieren - das Zittern der HĂ€nde macht sich kaum bemerkbar.
Selbstauslöser
Immer eine gute Idee ist die Verwendung des Kamera-Selbstauslösers. Nicht, um noch fix mit auf das Bild zu huschen, sondern eher um auch noch den letzten Wackel-Einfluss einzulöschen. Denn selbst wenn die Kamera auf dem Stativ oder einer Mauer steht, wird sie leicht bewegt, indem man den Auslöser drĂŒckt. Verwendet man stattdessen den Selbstauslöser, hat sich die Schwingung wieder beruhigt, bevor das Foto aufgenommen wird. AuĂerdem bietet sich auch immer eine Fernbedienung (Fern-Auslöser) an. Solches Zubehör gibt es jedoch seltenst fĂŒr Kompakte und ist auch nicht ganz billig.
Sicherer Stand
Typische Situation: Es dĂ€mmert, das Licht also bereits ziemlich schwach und man steht mitten auf der Wiese. Kein Stativ dabei, keine Mauer weit und breit, kein Baum zum Anlehnen der Kamera. Wenn man einen Rucksack hat, dann kann man die Kamera noch darauf abstellen. Ist selbst das nicht zu Hand, hilft es nur, die Kamera so ruhig wie möglich zu halten. Das erreicht man zunĂ€chst einmal, indem man den Sucher anstatt des Displays verwendet. Denn die nach vorn ausgestreckten Arme wackeln immer mehr als die HĂ€nde, die die Kamera gegen den Kopf drĂŒcken. Hast du keinen Sucher, dann versuche wenigstens die Kamera so dicht wie möglich am Körper zu halten. Möglich ist auch das DrĂŒcken gegen die eigene (meist linke) Schulter. Weiterhin sollte man sich nicht vorbeugen, sondern eher nach hinten lehnen, so dass der Körperschwerpunkt ĂŒber den FĂŒĂen liegt, nicht einen Meter davor. Wenn möglich, drĂŒcke die Ellbogen in die HĂŒfte. Und fĂŒr die Leute mit einer gröĂeren Kamera: WĂ€hrend die rechte Hand den Auslöser bediehnt, greift die linke Hand stĂŒtzend unter das Objektiv bzw. die Kamera. Alternativ kannst du auch unter der Kamera hindurchgreifen und die rechte Hand umfassen - alles besser als oben auf die Kamera legen oder gar nichts damit machen - beides schon gesehen.
Am besten wÀhre es sogar, wenn du dich hocken, knien oder sogar legen könntest. Je niedriger der Schwerpunkt, desto weniger Verwackeln gibt es.
Reihenaufnahme
Besitzt die Kamera eine Funktion zum schnellen (je schneller, desto besser) Aufnehmen aufeinanderfolgender Bilder, dann aktiviere diese. Nehme einen sicheren Stand ein und schieĂe eine Reihe von 5 bis 10 Fotos. Mindestens eines davon wird besser/ schĂ€rfer als der Rest sein. Wieso? Nun, die Zitter-Bewegung der Hand folgt dem Schema: schnelle Bewegung, Abbremsen, Richtungsumkehr und erneute Beschleunigung. Schafft man es nun den Auslöser genau dann zu drĂŒcken, wenn die Bewegung in der Umkehrphase ist, ergibt sich die minimale Strecke, also die geringste Verwacklung. Und diesen Punkt zu treffen ist bei Reihenaufnahmen viel wahrscheinlich als bei Einzelfotos.
Bildstabilisator
Die meisten modernen Kameras besitzen dieses mir mittlerweile sehr wichtig gewordenen Feature. Ein Sensor misst dabei die eigene Zitter-Bewegung und bewegt dann entweder eine Linse oder den Bildsensor entgegengesetzt. Damit wird ein Verzittern stark reduziert. Moderne Systeme bringen es mittlerweile auf eine VerlÀngerung um 4 f-Stops. Das bedeutet, wenn man normalerweise bei 50mm Brennweite nur 1/60s wackelfrei halten kann, sind es mit Bildstabilisator der neuesten Art nicht 1/30s, nicht 1/15s, nicht 1/8s sondern ganze 1/4s.
Hilft auch gegen Bewegungen des Objektes
Will man sich bewegende Objekte scharf abbilden, nĂŒtzt es nichts, die Kamera möglichst still zu halten. Im Prinzip gibt es nur eine sinnvolle Möglichkeit: Die Belichtungszeit unter allen UmstĂ€nden zu reduzieren. Super wichtig: Blende so weit offen wir möglich, ISO so hoch wie möglich. Ignoriere UnschĂ€rfen durch geringe SchĂ€rfentiefe (da Blende weit offen) und Rauschen (durch hohen ISO). Alles ist besser als ein verwackeltes Hauptmotiv, wenn dies nicht gerade zum Bildausdruck gehören muss (was eher selten der Fall ist).
Blitz
Fotografierst du mit Blitz, ist es möglich, nahe Objekte auch trotz langer Belichtungszeit scharf abzubilden. Dies stellt die einzige mir bekannte Möglichkeit dar, diesen ansonsten typischen Zusammenhang zu durchbrechen.
In spÀteren BeitrÀgen werde ich sicherlich auf das ein oder andere Thema detaillierter eingehen. Bis dahin gab nun erstmal genug Informationen zum Ausprobieren, Vergleichen und Technik-Feilen.
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