Gedankenquirl
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8.01.2009

Technische Notwendigkeit der Bildbearbeitung

Anknüpfend an den letzten Post möchte ich heute ein paar Gründe nennen, weshalb Bildbearbeitung rein technisch betrachtet kaum vermeidbar ist. Diese sind nicht wegzudisskutieren - was allerdings nicht ausschließen soll, dass man trotzdem gegen Bildbearbeitung argumentieren kann. Sie sollen lediglich die Meinung unterstützen, dass eine Digitalkamera mit aktueller Technik nie ein genaues Abbild des Motivs wiedergeben kann.

Schauen wir uns zunächst den Aufbau des Bildsensors in Kameras an. Er besteht aus einem rechteckigen Raster von lichtempfindlichen Bildpunkten. Insgesamt gibt es so viele, wie deine Kamera Megapixel hat. Jeder dieser Bildpunkte sammelt sämtliches Licht, das während der Belichtungszeit auf ihn fällt und leitet die Information an die Recheneinheit der Kamera weiter. Gelangt viel Licht auf den Bildpunkt, wird er im späteren Foto heller, gelangt weniger Licht auf ihn, wird er dunkler. Durch die endliche Anzahl an Bildpunkten tritt jedoch eine Diskretisierung des Bildes auf. Es wird nicht vollständig und kontinuierlich erfasst, sondern nur in Schritten. Dies ist jedoch das geringste Problem, da unsere Augen einen kontinuierlichen Verlauf “erfinden”, wenn die einzelnen Punkte/ Schritte nur nah genug beieinander liegen.

Schlimmer kommt es bei der Darstellung von scharfen Kanten. Dies ist in der folgenden Abbildung verdeutlicht.

Entstehung von Bildunschärfe

Entstehung von Bildunschärfe

Das Motiv weist einen harten Helligkeitsübergang auf. Dies wird zwar in der Realität so kaum auftreten, Helligkeitskanten gibt es jedoch in jedem Bild - sie machen die Details und die Strukur eines Fotos aus. Trifft nun diese Kante auf einen Bildpunkt, “sieht” dieser dunkle und helle Bereiche, insgesamt ergibt sich ein mittleres Grau. Damit ist dieser reale harte Übergang aufgeweicht im fertigen Foto. Ein Foto wird also immer unschärfer als das reale Objekt sein. Hinzu kommen Unschärfen durch die Optik (Auflösungsvermögen der Linsen) und durch den Anti-Aliasing-Filter, der in allen Kameras vor dem Bildsensor sitzt.

Um den ursprünglichen Schärfeeindruck wiederherzustellen kommt man um die nachträgliche Bildbearbeitung nicht vorbei.

Ein weiterer Effekt ist der Kontrastumfang der Bildsensoren. Jede Kamera kann nur eine begrenzte Spanne zwischen den hellsten und dunkelsten Bildpartien darstellen. Je nach Kamera beträgt diese Spanne in der Regel 8 bis 16 Blendenstufen bzw. f-stops. Die Augen können wesentlich mehr Blendenstufen sehen. Durch dynamisches Anpassen der Pupillen sehen wir sehr helle Bildpartien wie auch sehr dunkle Details. So beispielsweise einen hellen sonnigen Himmel durch das Fenster, aber auch die Person im Raum. Eine Kamera wird immer entweder den Raum schwarz oder das Fenster weiß darstellen, weil der Dynamik- bzw. Kontrastumfang zu hoch ist.
Anders herum können die Augen auch Kontrast erhöhen. Besteht ein Motiv beispielsweise aus hell- und dunkelgrauen Bereichen, sehen die Augen nahezu Schwarz und Weiß, weil ihnen der Vergleich zu den wahren Extremen fehlt. Die Kamera wird jedoch objektiv richtig Hell- und Dunkelgrau darstellen, der Kontrast ist niedriger als das, was wir subjektiv sehen.
In beiden Fällen muss eine nachträgliche Anpassung des Fotos erfolgen, wenn der gleiche subjektive Eindruck wiederhergestellt werden soll.

Dies gilt nicht nur für Helligkeitswerte. Ähnliches gilt auch für Farben. Fehlt den Augen ein Vergleich, sehen sie subjektiv anders, als die Farben objektiv in Wirklichkeit sind. Auch hier sollte angepasst werden.

Es zeigt sich also, dass es keine Möglichkeit gibt, ein Foto genau so aufzunehmen, wie wir das Motiv vor Ort sehen. Will man nicht nur ein objektives Foto machen, sondern alles so darstellen, wie es in der Realität den Eindruck macht, ist die Bildbearbeitung ein sinnvolles Mittel.

Kommentare

Um es ganz klar auf den Punkt zu bringen: “Keine Bildbearbeitung” bedeutet im Falle der Fotografie, sich mit den Voreinstellungen, welche die Kamera/RAW-Prozessor/Belichtungsautomat/… zum bearbeiten verwendet, zufrieden zu geben.

Denn bearbeitet wird es immer.

Darüber hinaus gibt es immer noch den Unterschied von Bildbearbeitung im fotografischen Sinne (Kurven, Weißabgleich, Schärfen, Beschneiden, Abwedeln, … — im Allgemeinen Korrekturen und ein wenig Verschönerung) und Bildbearbeitung, die sich auf das Foto, sondern auf die Bearbeitung an sich konzentriert (Kompositionen, Form- und Farbverfälschungen, Collagen, … — im Allgemeinen gewollte Veränderungen und Verfremdungen vom ursprünglichen Fotomaterial).

Man kann es also auf zwei Arten der “Kunst” reduzieren: Das Fotografieren (und das, was dazugehört) und das Bildbearbeiten. Letzteres ist derivative Kunst. Ersteres nicht (sofern man die abgelichtete Realität nicht als Kunst versteht).

Wenn man Müll aus einem Photo wegstempelt… das ist für mich schon hart an der Grenze zur Bearbeitung/Entfremdung. Trotzdem nicht verboten, um schöne Bilder zu produzieren.

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